DFKI-Kolloquium, Montag 29. Januar 1996, 16:00 Uhr, Bau 57, Raum 208


Komplettkompilation: Lisp-Software in der Endanwendung


Dr. Wolfgang Goerigk
Institut für Informatik, CAU Kiel
http://www.informatik.uni-kiel.de/~wg/clicc.html

Moderne dynamische objektorientierte Programmiersprachen leisten heute einen wesentlichen Beitrag zur Beherrschung der immer komplexer werdenden Anforderungen an Software-Systeme in der praktischen Anwendung. Eigene Implementierungsarbeit weicht zunehmend der Nutzung vorhandener, vorgefertigter Software-Bausteine, sog. Komponenten. Integration ist zentraler Bestandteil der Software-Entwicklungsarbeit. Dies wird umso wichtiger, je mehr Arbeit, auch Verifikationsarbeit, in die Komponentenentwicklung investiert wird. Teure Reimplementierung wird sich kaum jemand erlauben können.

Wie nun kann sich Lisp als ebenfalls dynamische objektorientierte Sprache in dieses Szenario einbetten? Es ist unumstritten, da"s sich Lisp gerade bei der Implementierung hochkomplizierter, mathematisch fundierter Software-Komponenten, aber auch bei der Implementierung experimenteller, eher forschungsorientierter neuer Problemlösungsverfahren, erhebliche Meriten verdient hat. Bislang aber lassen sich in Lisp implementierte Software-Komponenten, wenn überhaupt, nur sehr schwer in vorhandene heterogene Software-Umgebungen integrieren. Dies liegt unter anderem daran, da"s die Lisp-Hersteller bis heute nur an der Integration Lisp-fremder Software nach Lisp hinein, nicht aber umgekehrt an der Integration von Lisp-Komponenten in Lisp-fremde Software-Umgebungen gearbeitet haben.

Soll man deshalb aber auf die unumstrittenen Vorzüge von Lisp verzichten? Der Vortrag soll einen Weg aufzeigen, wie in der sprachlich heterogenen Software-Entwicklungslandschaft auch in Lisp entwickelte Komponenten in Endanwendungen integriert werden können. Es werden Techniken der Komplett- und Modulkompilation beschrieben, die unter anderem im Rahmen des APPLY-Projektes (GMD, ISST, VW-GEDAS, CAU Kiel, 1991 - 1994) entstanden sind und mit dem Common-Lisp-Übersetzer CLiCC an der CAU Kiel bis heute weiterentwickelt wurden.

Kontakt: Dr. Harold Boley, 0631/205-3459