Wo arbeiten Absolventen?

Informatiker mit Headset im Multimedialabor

Das Universitätsstudium der Informatik verbindet eine breite, theoretisch fundierte Grundausbildung mit dem Erwerb berufsspezifischer Kenntnisse und Fertigkeiten. Eine solide, wissenschaftsbezogene Ausbildung ist eine wichtige Voraussetzung dafür, auch nach dem Abschluss des Studiums mit der wissenschaftlichen Entwicklung Schritt halten zu können, und ist gerade für die später in der Praxis Arbeitenden der beste Schutz gegen mögliche Arbeitslosigkeit aufgrund von Veränderungen des Tätigkeitsbereiches und des Berufsbildes des Informatikers, des Arbeitsmarktes oder der wirtschaftlichen Lage. Folgende Tätigkeitsbereiche lassen sich unterscheiden:

  • In der Datenverarbeitungsindustrie:
    • Entwurf und Entwicklung von Software,
    • Entwicklung von Datenverarbeitungssystemen,
    • Entwurf und Entwicklung spezieller Hardware,
    • Konfigurierung von anwenderspezifischen Hardware/Software-Systemen,
    • Tätigkeit in der Unternehmensberatung,
    • Arbeit im Vertrieb und Management,
    • Tätigkeit als Ausbilder.
  • Beim DV-Anwender:
    • Pflege und Weiterentwicklung von Software (z.B. Betriebssysteme, Datenbanksysteme, Kommunikations-Software), Beteiligung an System- und Einsatzplanungsaufgaben,
    • Systemanalyse,
    • Entwicklung Benutzer-spezifischer Anwendungsprogrammsysteme,
    • Tätigkeit als Ausbilder.
  • In der Forschung:
    • Mitwirkung an der Weiterentwicklung von Datenverarbeitungssystemen und von neuen Datenverarbeitungsverfahren sowie an der Erschließung neuer Anwendungsgebiete für Rechner.
  • In der Ausbildung:
    • Lehre an Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogischen Hochschulen, Gymnasien, Fach-, Berufs- und Gewerbeschulen, Berufsbildungszentren.

Dabei ist zu beachten, dass der weitaus grösste Bedarf an Informatikern und Informatikerinnen im Bereich der anwendungsorientierten Informatik besteht und zwar vor allem für betriebswirtschaftliche, mathematisch-technische und auch für ingenieurwissenschaftliche Anwendungen. Die Anwendung der Informatik der öffentlichen Verwaltung, im Rechtswesen, in der Medizin und im Bildungswesen, um einige Beispiele zu nennen, nimmt ebenfalls stark zu.

Weiterhin Konsolidierung im Strukturwandel? (von Werner Dostal: Arbeitsmarkt für Computerberufe. Neue Daten für 1997 und Ausblick auf die weitere Entwicklung. Informatik Spektrum, Band 21, Heft 3, Juni 1998):

So zeigen sich im Arbeitsmarkt und in der Beschäftigung bei den Computerberufen einerseits Strukturwandel, andererseits Konsolidierung: Die Bedeutung der Informatiker nimmt zwar zu, doch die aktuellen Absolventenzahlen (derzeit etwa 4.000 Informatik-Absolventen und 1.200 Wirtschaftsinformatik-Absolventen pro Jahr) in Deutschland können bei etwa 30.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen weniger als 20% der neuen Arbeitsplätze besetzen. So werden weiterhin 80% der Arbeitsplätze von Quereinsteigern und Aufsteigern besetzt. Offenbar ergibt sich längerfristig ein Anteil von etwa 35-40% Hochschulabsolventen in diesem Berufsfeld, von denen die Hälfte in Informatik ausgebildet ist, die andere Hälfte aus anderen Hochschulfachrichtungen kommt. Die Vielfalt der Zugänge bleibt also erhalten, mit allen ihren Vorteilen (interdisziplinäre Farbigkeit) und Nachteilen (mangelnde Professionalisierung). Im mittleren Bereich sind durch die neuen Informationstechnik-Berufe im Dualen System Grundausbildungen entstanden, die einen guten Einstieg in gehobene Sachbearbeiteraufgaben ermöglichen. Dennoch werden auch in Zukunft einige wenige Personen ohne formalen Abschluß eine Chance in diesem Berufsfeld bekommen (derzeit sind es 6%). Für alle gilt aber, dass sich die Anforderungen an die aktuellen Qualifikationen schnell verändern und dass deshalb sehr intensiv an der eigenen Weiterbildung gearbeitet werden muss. Die steigende Arbeitslosigkeit bei großem Einstellungsbedarf läßt sich nur so erklären, dass viele der Bewerber nicht die jeweils aktuell gewünschten Qualifikationen vorweisen können. Insgesamt dürften die Beschäftigungsangebote für Computerfachleute zunehmen. Ähnlich wie in den USA werden für Deutschland bis zum Jahre 2010 erhebliche Beschäftigungszuwächse in den Tätigkeitsbereichen erwartet, in denen Informationen verarbeitet werden, also in den sekundären Dienstleistungen. Dort sind Computerspezialisten angemessener Qualifikation meist dringend gesucht. Bei entsprechender Eignung und Neigung sollte deshalb die Informatik als Berufswahlziel mehr in den Vordergrund treten.

Die Berufsaussichten für Absolventen eines Informatik-Studiums sind sehr gut, sofern solide theoretische Grundlagen und fachliche Breite, ergänzt durch gute Kenntnisse in mindestens einem Anwendungsgebiet (Nebenfachstudium) und praktische Kenntnisse (Praktika, Industriepraktikum) während der Ausbildung erworben wurden. Ein Auslandssemester ist vorteilhaft, die Prüfungsausschüsse geben hier Hilfestellung. Grundsätzlich gilt, dass technische Fächer studiert werden sollten, damit auch langfristig die Hochtechnologie als eine der Säulen des Wohlstandes in Deutschland gesichert und ausgebaut werden kann.

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